14 September 2015

Was hat Strawinsky mit Literatur zu tun

Ich war in der Musikschule und ich hatte schon mal Strawinskys Musik gehört. Ich mochte sie nicht. Ich dachte: Krach. Was dann aber geschah, erinnert mich daran, wie ich zum ersten Mal abstrakte Malerei sah - nicht nur anschaute, sondern wirklich sah.

Eine Bekannte von mir, die finnische Künstlerin Mari Aulinen, hatte eine Ausstellung in Berlin. Der Saal war voll von blautönigen Ölgemälden, in denen ich keinerlei Gestalten erkennen konnte. Sie sehen doch alle gleich aus, dachte ich. Ich verstand gar nichts. Dann entdeckte ich auf einem Beistelltisch einen Stapel Papier. Die Künstlerin hatte zu ihrer Ausstellung ein Gedicht geschrieben. Ich las es, und ich las es wieder. Ich betrachtete die Bilder erneut und las immer wieder das Gedicht. Ahaa, dachte ich. Der Text hatte mir das Tor geöffnet. Ich sah, ich interpretierte, ich verstand. Seitdem interessiere ich mich auch für moderne Malerei und nicht nur für Landschaftsbilder.

Die Welt der Literatur ist mir weitaus vertrauter als die der Malerei, und trotz meinem Hintergrund als Hobby-Musikerin scheint es vor allem mit der klassischen Musik auch so zu sein. Ravel entdeckte ich schon, als ich noch aktiv spielte, Debussy kam erst vor ein paar Jahren dazu. Dann kam Rachmaninoff und überwältigte mich. Aber Strawinsky? Pures Chaos.

So ging es auch dem Konzertpublikum, als Strawinsky einen komischen Tanz mit genauso komischer Musik uraufführte: so wird die Situation jedenfalls im Film Coco Chanel und Igor Stravinsky beschrieben. Aber was für ein schöner Tanz, wie unsere Urahnen übten sie scheinbar ihre Rituale aus. Und die Musik passte perfekt dazu! Eigentlich wollte ich nur Mads Mikkelsen sehen, aber ihn sah ich nicht: ich sah und hörte, ja, ich spürte, Igor Stravinsky.

Alles passte zusammen. Die Musik, die schwarz-weiße Farbenwelt von Coco Chanel, die wenigen Worte die gesagt wurden, auch die die nicht gesagt wurden. Ich weiß, dass das Filmemachen nicht (nur) Literatur ist, aber im Hintergrund steht ein Manuskript. Es hat jemand geschrieben, in diesem Fall Chris Greenhalgh. Er, und der Regisseur, die Schauspieler, der Musikdramaturg, die Bühnenbildner, ja selbst das Cateringservice, sie alle haben dazu beigetragen, dass mir das Tor zu Strawinskys Tonwelt geöffnet wurde. Manchmal führt eben ein Text den Leser zu einem anderen Text, oder in diesem Fall, wenn auch indirekt, zur Musik.

Der Trailer ist zu sehen unter http://www.imdb.com/title/tt1023441/.

3 September 2015

Der Fall des Schriftstellers U, Teil 3

Ich gebe auf. Entweder gibt es gar nicht viele Leute, deren Nachnamen mit einem U beginnen, oder sie schreiben nicht gerne. Es bleibt nur eine Möglichkeit: selbst eins zu schreiben. Ich werde es versuchen. Der große Meister Ernest Hemingway gab den Hinweis: "Write hard and clear about what hurts." Dem werde ich folgen.

Einem anderen Punkt der Leseliste bin ich nachgegangen, nämlich ein Buch eines Autoren / einer Autorin, der/die den Pulitzer Preis bekommen hat. Nachdem ich letztes Jahr den film Die Potein im Kino Union in Friedrichshagen sah und mochte, war mir klar: es wird eins von Elizabeth Bishop sein. Leider waren die Gedichte, die ich in einer berliner Bibliothek fand, nicht besonders gut übersetzt, oder genauer gesagt, der Klang des übersetzten Textes hat mir nicht gefallen.

Dann aber reiste ich mit meiner Familie nach England. In einem kleinen Ort Namens Church Stretton fand ich - außer handgefertigten Süßigkeiten - einen kleinen Bücherladen und da, im Lyrikregal (ja, es gab tatsächlich ein Lyrikregal und gar nicht so klein) stand es: Poems. Original auf Englisch, geschrieben von Elizabeth Bishop. Ein Glückstag! Ab jetzt werde ich ihre Gedichte in kleinen Portionen genießen. Wenn ich sie irgendwann durchgelesen habe, werde ich euch darüber berichten.

R.U.