27 March 2015

Der Fall des Schriftstellers U, Teil 1

Ich hatte mir ja dieses Jahr eine Leseliste vorgenommen. Eine ziemliche Herausforderung für eine Langsam-Leserin, 36 Bücher in einem Jahr zu lesen. Aber eines Versuches wert jedenfalls. Auf meiner Liste stehen keine konkreten Angaben zu Autoren oder Titeln, sondern Hinweise, wie z.B. "Ein Buch, in dessen Titel eine Zahl vorkommt".

Trotz meines Literaturstudiums - Schwerpunkt finnische Literatur - hatte ich noch nie Orwells 1984 gelesen. Genau zu sein, habe ich es immernoch nicht gelesen, sondern als Hörspiel gehört. Sehr gut regiert und gespielt, diese grausame Story. Da das Buch schon unzählige Male gelesen, analysiert und kommentiert wurde, lass ich es hier sein und widme mich stattdessen einer anderen Aufgabe.

"A book written by an author with your same initials." Bis jetzt scheint mir diese die schwierigste Aufgabe zu sein. Wenn ich mit RU über Google suche, finde ich heraus, dass Ru in der polynesischen Mythologie eine Göttin der Fruchtbarkeit war. Ecosia informiert mich über im Angebot stehende russische Frauen. Über Yahoo erfahre ich, dass RU das Kfz-Kennzeichen für Burundi ist. Vielleicht gibt es dort auch Autoren, deren Initialen RU sind? Russische Frauen interessieren mich jedenfalls nicht.

Als ein Krimi-Fan fange ich an zu ermitteln und stelle mir Aufgaben: 1. Ich werde in der Bibliothek bei U suchen. 2. Ich werde in Buchhandlungen bei U suchen. 3. Ich werde in einem Autorenlexicon bei U suchen. 4. Ich werde Freunde und Kollegen befragen. 5. Ich werde im Internet suchen, ob es eventuell Autoren gibt, die so wie ich Uhlig heißen - vielleicht geht jemand von ihnen mit R los. 

13 March 2015

Im Theaterwald



Ich habe schon öfters geträumt, dass ich im Theater bin, aber entweder vergesse ich meine Repliken oder ich verpasse meinen Eintritt. In Traumdeutungsbüchern sind vielerlei Erklärungen zu finden. Die Bühne kann die von mir vorgestellte Idealwelt symbolisieren, in der ich gerne leben möchte. Oder ich bin eitel und möchte im Mittelpunkt der Bewunderung der anderen stehen (wer möchte das denn nicht). Oder aber, ich tue so, wie wäre ich was völlig anderes als ich bin (selbstverständlich tue ich das, das tun wir doch alle). Was ich nicht herausfinde, ist, was es bedeuten könnte, dass ich die Worte vergesse oder nicht weiß, wann ich eintreten sollte. Irgendwie habe ich das Gefühl, wie hätte ich mich - in aller  Öffentlichkeit - verlaufen.

Nachdem ich in meiner Jugend einige Zeit in Amateurtheatern verbracht hatte, fand ich heraus, dass der Mensch nirgendwo anders so nackt und so zerrissen, so verwundbar ist wie im Theater. Das mag paradox klingen, aber ich behaupte, dass Menschen gerade im Theater ihre Masken abnehmen müssen. Sonst wäre es nicht möglich, Gefühle Anderer zu interpretieren.

Könnte mein Traum bedeuten, dass ich wieder ins Theater möchte? Möchte ich dort spielen, so wie in meinem Traum, oder vielleicht nur die Theateratmosphäre, also die hinter den Kulissen, spüren? Vielleicht sehne ich mich nach bestimmten Personen. Oder, ich bin gerade dabei meine Maske herunter zu nehmen, und - wie es im Theater üblich ist - aus den Sachen, die ich fand, eine neue Illusion zu bauen. Um sie zu bauen, also um ein künstlerisches Objekt herzustellen, muss man zuerst seine Maske abnehmen. Man muss seinen Bauch durchschneiden, die inneren Organe in eine Reihe auf den Tisch legen und sie genauer betrachten. Was findet man? Das was man findet, wird in Worte oder Bilder oder Musik (in Illusion) umgewandelt und ausgestellt.

Vielleicht versucht mein Unterbewusstsein mir klar zu machen, dass ich in meinem Bauch noch mehr herum wühlen sollte und einiges zur Schau stellen sollte. Damit ich nichts Wichtiges verpassen würde, wie zum Beispiel meinen Eintritt. Vielleicht habe ich mein Schlagwort nicht gehört? Hat das Ganze etwas mit Lyrik zu tun oder etwa mit Kurzprosa, mit der ich mich neuerdings beschäftige? Wie hätte ich irgendwas klirren gehört. Während ich weiterhin die passenden Repliken suche, werde ich wohl ein paar Texte von mir den Anderen zur Schau stellen wollen.